24.08.2023 Edmundston. Tag 98 – 5878 Kilometer

Ein herbstlicher Morgen. Als ich heute morgen die Augen aufmachte, sah ich erst einmal recht wenig. Dicker Nebel waberte über den Campingplatz. Ich baute erst einmal mein Zelt ab und machte Frühstück. Meine Hoffnung war, daß sich die dicke Suppe bis dahin aufgelöst hat. Dem war aber nicht so. Also rolle ich fünfhundert Meter bis zur nächsten Tankstelle. Diese hatte eine McDonald’s Filiale. Also stockte ich mein Frühstück um Pancakes auf. Schaden kann das nie.

In der Tankstelle hatten sich schon die Senioren des Dorfes zum Morgenplausch versammelt. Eine ältere Dame konnte englisch und fragte mich ausgiebig aus. Das übersetzte sie dann für die anderen Herrschaften. Als die Neugier dann einigermaßen befriedigt war, durfte ich, versehen mit den besten Wünschen, weiter. Der Nebel hatte sich dann auch verzogen.

Herbst am 24. August

Als ich dann auf der Strecke war, lagen sechszig Kilometer vor mir. Das ist nicht allzu lang. Es gab aber (zum Glück) gleich zum Anfang zwei harte Steigung. Das ist zu erwarten. Schließlich bin ich im Mittelgebirge unterwegs.

Meist geht meine Route auf einer Straße rechts oder links der Autobahn entlang. Andere Alternativen gibt es nicht.

Durch den immer noch vorhandenen Nebel sah ich nicht viel vom Nationalpark Temiscuoata. Zum Park gehört ein See. Es gibt wohl eine Menge Trails. Die Kanadier lieben aber besonders das Canouing. Jeder zweite hat ein Kanu auf dem Auto-Dach. Man kann sie auch überall ausleihen. Gewässer gibt es in Kanada auch ohne Ende und in allen Varianten.

Der Lac Temiscuoata

Zwei Highlight standen heute an: ich erreiche die nächste Provinz und die letzte Zeitzone. Knapp hinter der Hälfte der Strecke war Quebec zu Ende und New Brunswick begann. jetzt habe ich nur noch fünf Stunden Zeitunterschied zur MESZ. Das war das letzte Mal, daß ich meine Uhr umstellen musste.

Der wohl längste Wanderweg der Welt.

Genau auf der Provinzgrenze stieß ich auf den „Trans Canada Trail“, den Wander- und Radweg quer durch Kanada. Ich bin dann darauf bis ins Ziel geradelt. Der Weg ist aber geschottert. Unvorstellbar, hier große Distanzen abzuradeln. Das kostet doppelte Kraft.

An der Stadt habe ich leider nicht viel reizvolles entdecken können. Sie muß aber eine gewisse Bedeutung haben. Es gibt einen Airport. Ein Eisenbahn- und Automuseum habe ich auch gesehen

Am liebsten sind mir Loks, die sich nicht mehr bewegen. Dann hupen sie auch nicht und rauben mir den Schlaf.

Ich war froher Erwartung, daß die Kommunikation nun einfacher wird. Meine nicht vorhandenen Französischkenntnisse und der Unwillen bzw. das Unvermögen vieler Franko-Kanandier in Quebec english zu reden, erschwerten den Alltag schon etwas. Als ich dann hier in New Brunswick auf die ersten Menschenansammlungen traf, musste ich feststellen, daß Französisch hier auch verbreitet ist. Auf jeden Fall nahm aber der Tim Hortons – Mitarbeiter meine Bestellung in Englisch entgegen, ohne das Gesicht zu verziehen. Ich habe dann gelesen, daß New Brunswick die einzige Provinz mit zwei Amtssprachen ist. Der französische Einfluss soll aber Richtung Süden merklich abnehmen.

Das beeindruckende Terminal von Edmundston Airport

Zur Belohnung habe ich mir heute eine feste Unterkunft gegönnt. Am preiswertesten war eine Ferienwohnung in der Stadt, direkt über einem italienischen Restaurant. Das Beste daran: Waschmaschine und Trockner standen zur Verfügung. Also beste Gelegenheit für große Wäsche.

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23.08.2023 Cabano Tag 97 – 5816 Kilometer

Mein Standort heute Abend

Heute morgen weckte mich der Wind. Seit halb Fünf flatterten die Zeltwände. An Schlafen war nicht mehr zu denken. Da es schon einigermaßen hell war, kroch ich aus meinem Zelt und bereitete den „Abflug“ vor. Die Versuche meinen Gaskocher für das Frühstück anzuwerfen waren erfolglos, zu viel Wind. Also bin ich nach dem Packen gleich los. An der Auffahrt zu Hauptstraße war eine Tankstelle mit „Tim Hortons“- Filiale. Ich bekam also noch einen Kaffee und die Kohlenhydrate für den sicherlich harten Tag. Der Härtegrad wurde weniger durch die Distanz (es waren nur knapp 70 Kilometer) sondern die ersten aggressives Steigungen und den Wind bestimmt.

letzter Blick vom Campingplatz auf den Sankt Lorenz Strom.

Ich musste noch einmal durch die Stadt, um die Richtung New Brunswick einschlagen zu können. Da Reviere du Loup am Hang liegt, mußte ich gleich zum Anfang drei bis vier steile Rampen hochsteigen. Dabei habe ich jedesmal den Mechaniker in Toronto verflucht, der mich um das größte Ritzel erleichtert hat, bloß damit der Antrieb nach Lehrbuch montiert ist.

Straßenszene … könnte auch in Frankreich sein
Das Kino im ehemaligen Theater der Stadt

Der Trost war, daß ich auf den ersten zwanzig Kilometern eine. komplett neue Straße ganz für mich allein hatte. Es gab auch wieder Landschaft. Es sah aus wie in Ontario am Lake Superior. Der Wind wurde durch dem Wald erheblich gemindert. Bei der Abfahrt am Campingplatz hatte ich noch Mühe, das Rad gerade zu halten

Platz ohne Ende… Ein Tag zum „Kilometer-Fressen“. Große Highlight sind nicht zu erwarten.
Versumpfte Nadelwälder, wie in Ontario

Die zweite Hälfte der Strecke war eine Fahrt durch eine Autobahnbaustelle. Die von Komoot vorgeschlagene Route parallel des Highways ließ sich nicht Fahren. Es gab die Straßen schlicht nicht mehr. Das war alles unter die Bagger gekommen. Augen zu und durch. In den Baustellen ist die Fahrbahn alles andere als komfortabel. Mir flog die Vorderlampe aus der Halterung. Die Kette blockierte weil sie auf das eigentlich gesperrte kleine Ritzel rutschte.

Der Campingplatz entschädigt dann wieder für vieles. Er liegt mitten im Wald. Ich habe viel Platz rund um mich. Gestern Nacht sorgte noch ein Schnarcher in der Nachbar-Parzelle für akustische Untermalung. Das passiert mir heute sicher nicht. Es gibt eine warme Dusche, Strom und Wasser ohne daß ich dafür extra bezahlen muß. Dazu kommt noch das die Betreiberin englisch spricht. Alles Gute ist beisammen an meinem letzten Stop in Franko-Kananda.

Fehlt nur noch das Rotkäppchen und der Wolf
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22.08.2023 Riviere du Loup. Tag. 96 – 5749 Kilometer

Mein Standort heute Abend

Ich hatte eine ruhige Nacht auf meinem Campground. Außer mir waren noch zwei french-kanadische Radler auf den Nachbarn-Sites. Leider sprachen Beide kein Wort englisch. DiecKonversation war also begrenzt. Müde waren wir auch. Also waren alle schnell in ihren Schlafsäcken. Es gab auf dem Platz eine vollausgestattete Küche. Also war mein Aufwand für das Frühstück sehr gering. Ich musste meinen Kocher nicht auspacken. Als ich um Sieben im Sattel saß, schliefen  die anderen Beiden noch. Die Strecke ist heute knapp hundert Kilometer lang. Zu schaffen machte mir der Wind. Er kam heute schräg von vorn. Zum Glück  ging die Windgeschwindigkeit ab Mittag zurück.

Die Morgensonne scheint noch unter dem Tisch durch.

Die Strecke führte heute die ganze Zeit am Sankt Lorenz Strom entlang. Dabei ging es ständig auf und ab. So wurde mir schnell warm und die Ausblick auf das große Wasser ist von oben natürlich viel reizvoller.

Das ist kein Eisberg. Eine Felseninsel im Strom

Die Straße war fast leer.  Wahrscheinlich fuhren alle auf der parallel verlaufenden Autobahn. Ich hatte Zeit mir die Landschaft anzusehen. Alles wirkt jetzt viel europäischer. Es gibt viele Farmeon und ab und zu einen Traktor auf dem Feld. Dann liegt plötzlich ein Segelboot im „Dorfbach“

Ein tip top Pferdehof

Das waren heute meine letzten Kilometer am Sankt Lorenz Strom. Morgen biege ich nach Südosten ab, um dann übermorgen New Brunswick zu erreichen. Mein Campground für heute liegt direkt am Fähranleger. Somit ist der Abschied ganz unmittelbar. Acht Tage lang war ich nun an diesem mächtigen Gewässer unterwegs. Jetzt sind es nur noch tausend Kilometer bis zum richtigen Atlantik.

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21.08.2023 St. Jean Port Joli. Tag 95 – 5651 Kilometer

Main Standort heute Abend

Heute tritt wieder ein wichtiges Ereignis ein. Ich wechsel auf die Ostseite des Sankt Lorenz Strom. Somit verlassse ich das Kanadische Schild, wenn man so will, das geologische Kanada. Es werden wieder fast einhundertundzehn Kilometer. Dafür habe ich doppelt so viel Höhenmeter zu bewältigen, wie gestern.

Zuerst rolle ich erst einmal eine Stunde im Montagsmorgen-Berufsverkehr durch Quebec. Die Stadt unterscheidet sich schon erheblich von den anderen großen Städten, die ich in Kanada gesehen habe. Sie ist irgendwie „historischer“, an einigen Stellen fast mittelalterlich. Einen ausgiebigen Stadtbesuch habe ich schon mit meiner Frau gemacht. Ich halte mich also nicht weiter auf und erwischte eine Fähre auf die andere Stromseite kurz vor dem Ablegen. Die Fähre ist das leer. Es schippern mehr Fahrräder mit, als Autos. Auf alle Fälle hatte ich Gelegenheit die Stadt-Silhouette vom Wasser aus komplett zu sehen. Das hat mir gestern schon eine ältere Dame ans Herz gelegt, die mich auf der Straße angesprochen hat.

Downtown Quebec

Auf der anderen Seite ging es ganz entspannt die ersten Kilometer auf einem neuen, breiten Radweg voran. Der wurde wohl auf einer alten Bahntrasse angelegt. Als der dann zu Ende war, ging es bergig weiter. Ich bin immer noch skeptisch, wie negativ sich der Radumbau auf die Kletterfähigkeit auswirkt. Die Anstiege waren mittelmäßig lang. Ich habe alles ohne Sauerstoffzelt geschafft. Soweit so gut.

Gleich hinter Quebec wird der Sankt Lorenz Strom richtig breit. Heute war es diesig. Dadurch verstärkte sich der Eindruck noch. Alles in Allem wird es jetzt merklich maritimer. Der Wind ist da und wechselt oft die Richtung. Es ist wieder kälter. Heute habe ich sogar in der Sonne gefroren, wenn ich halten mußte.

Wirkt schon fast wie Ozean oder der Anfang von dem..

Die Landschaft ist stärker von Landwirtschaft geprägt. Man sieht größere Farmen und nicht nur Siedlungshäuser ohne Stall und Hof.

Sogar Weinanbau scheint zu funktionieren

Mein Etappenziel Saint Jean Port Joli, ist touristisch ganz schön aufgepeppt. Überall Souvenirshops usw. Der Ort scheint gefragt zu sein. Die Motels hatte alle ihre Schilder „Complete“ auf die Straße gestellt. Ich hatte schon Bammel, daß ich keinen Platz auf dem Campingplatz bekomme. Es hat aber geklappt. Ein vernünftiger Preis und sogar Rasen.

Der Opa auf dem E-Bike wollte mir unbedingt Windschatten geben, war dann aber irgendwann doch auf und davon
Manchmal trifft Geld nicht auf Geschmack
Eine bescheidene Behausung mit einem restaurierten alten Truck.. das hat Stil!
Ein paar hundert Meter weiter, eine Tankstelle im Stil der 60er
Eine alte Mühle in Port Joli
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20.08.2023 Quebec City. Tag 94 – 5542 Kilometer

Mein Standort heute Abend

Ein ruhiger Sonntagmorgen nach einer ruhigen Nacht. Trotz Innenstadtlage konnte ich gut schlafen. Das ist viel wert. Noch schwerer wiegt die Tatsache, daß es jetzt aufgehört hat zu regnen. Ich habe sogar wie gestern Rückenwind. Also läuft alles optimal. Die einhundertundvierzehn Kilometer hatte ich zügig abgespult.

Trister Sonntagmorgen in Trois de Rivieres

Die Strecke war wieder deckungsgleich mit dem Verlauf des Hwy. 138. Die Navigationsanforderungen waren also auch zu vernachlässigen. Die Szenerie links und rechts der Straße glich der von Gestern, jedenfalls auf der Hälfte der Strecke. Dann wurde es hügelig. Das ist eine gute Gelegenheit, mich auf die letzten Wochen der Tour einzustimmen. Eine flache Landschaft wird es nun nicht mehr geben

Der Strom am Morgen
Es gibt fast in jedem Ort Rastplätze mit Toiletten und Trinkwasser.
Mal einen Blick von oben auf den Sankt Lorenz Strom

Man hat, wenn man durch die Orte rollt, den Eindruck als wäre man in Frankreich unterwegs. Besonders die repräsentativen Kirchen fallen auf.

„Kunst an Bau“. Das passt zu den verspielten Kirchenbauten.

Es waren ab Mittag auffallend viele Radfahrer unterwegs. Die meisten jedoch tief gebückt auf dem Rennrad. Auch hier gibt es einen Unterschied zu dem, was ich in allen anderen Provinzen erlebt habe. Jedes Mal wenn ich in Alberta, Ontario oder sonstwo überholt wurde, gab es ein paar Fragen und gute Wünsche auf den Weg. In Quebec wurde ich in meisten Fällen nicht einmal gegrüßt. Schade!

Zwanzig Kilometer gefrässte Fahrbahn. Baustellen sind lang in Kanada. Das ist man ordentlich durchgerüttelt.

Ich übernachte heute am westlichen Stadtrand von Quebec. Der einzige Campingplatz in Stadtnähe hat keine Dusche. Somit habe ich wieder ein Motel gebucht. Zehn Kilometer vor der Stadt ist das noch bezahlbar. Quebec habe ich ja vor zwei Wochen schon mit meiner Frau besucht. Somit ist Sightseeing gar nicht nötig.

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19.08.2023 Trois der Rivieres. Tag 93 – 5428 Kilometer

Mein Standort heute Abend

Der Tag Stillstand liegt hinter mir. Heute rollt mein Rad wieder. Je näher ich mich dem Ziel komme, um so größer wird das Bedürfnis „Strecke zu machen“. Heute lege ich einhundertzehn Kilometer auf das Gesamtsaldo. Noch etwas mehr als tausend Kilometer, und ich bin angekommen.

Erster Tankstelle Stop: Wasser, Kaffee und ein Broiche

Das Wetter ist herbstlich. Gegenüber gestern fehlen zehn Grad. Es sieht den ganzen Tag so aus, als würde es regnen (das tat es dann ab Mittag auch). Der Wind war erheblich. Zu meiner Begeisterung kam er mit fast fünfzig Km/h von hinten. Ich hatte somit kaum Mühe, schnell voran zu kommen. Das zahlte sich aus. Die Regenfahrt war kürzer als befürchtet.

Der Himmel verheißt nichts Gutes
Noch einer, der sich über Wind freut
Immer wieder beeindruckend, wir die großen Pötte sich durch die Wiesen schieben
Typische Straßen Szenerie entlang des Hgw 138

Die Strecke verlief über den Highway 138. Diese Straße ist legendär. Sie endet nach hunderten Kilometern in Neufundland im Nirgendwo. Die meiste Zeit führt sie direkt am Sankt Lorenz Strom lang. Außerhalb der Städte sind schmucke Häuser wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Wobei die Straße der Wohlstands- Äquator ist: auf der Wasserseite wohnen die Reichen und auf der anderen geht’s weniger repräsentativ zu.

Französischer Schmuddel-Charme, links der Straße
First Class Bungalow, rechts der Straße

Mein Zielort ist eine – vorsichtig formuliert – unscheinbare Wohnungstadt. Bekannt ist sie, weil hier der Riviere Saint Maurice in den Sankt Lorenz Strom mündet. Genau in der Mündung liegen drei Inseln. Die lassen es vom Strom so aussehen, als würde hier drei Flüsse einmünden.

Die eine der Inseln im Saint Maurice
Downtown Trois de Rivieres

Als ich dann auf den Hof meines Motels rolle habe ich zwei Stunden Regenfahrt hinter mir. Die warme Dusche war eine Wohltat. Jetzt hoffe ich, dass meine Klamotten trocknen. Es soll bis morgen früh durchregnen. Da kann ich also nicht in die Sonne hängen.

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18.08.2023 Repentigny. Tag 92 – Regenpause

Unwetterwarnung

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich mich trotzdem auf die Strecke wage. Eine Distanz von hundert Kilometern mit angesagtem Gewitter und Starkregen, daß wollte ich mir dann doch nicht zumuten.

Also habe ich meinen Motel-Aufenthalt um eine Nacht verlängert. Zum Glück ging das. Mein Motel ist das einzige am Ort, mit einigermaßen zivilen Preisen. Der Hotelmanager hat mir die gleiche Rate berechnet, die ich auch die Nacht zuvor bei Expedia gezahlt habe. Das finde ich fair. Er hat gewusst, dass ich unter Zugzwang stehe und es trotzdem nicht ausgenutzt.

Den Tag über habe ich mich in der Stadt rumgetrieben, soweit es die Regenpause zuließen. Nach Fotos war mir nicht. Ich habe die Zeit auch genutzt, um auf „Warmshower“ neue Übernachtungsmöglichkeit für die nächsten Tage anzufragen. Enttäuscht bin ich, da von acht Anfrage meinerseits nur zwei überhaupt beantwortet wurden. Das war in Ontario noch anders.

Am späten Nachmittag habe ich dann mein Rad auf Vordermann gebracht. Jetzt freue ich mich, daß es morgen mit einigermaßen trocken weiter geht.

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17.08.2023 Repentigny. Tag 91 – 5318 Kilometer

Ich war froh, die Bruchbude von letzter Nacht verlassen zu können. Heute muß ich Montreal hinter mir lassen. Die Alternativen sind, entweder den Weg quer durch die Stadt oder einen großen Bogen um den südlichen und östlichen Stadtrand zu nehmen. Angesichts der Erfahrungen die ich gestern schon mit den riesigen Zufahrtsstraßen und für Fahrräder gesperrten Brücken gemacht habe, ist die Entscheidung eigentlich klar. Ich fahre ein paar Kilometer mehr und nutze die – hoffentlich vorhandenen – Radwege.

Man spürt schon auf den ersten Kilometern, daß Montreal nicht nur eine Renomier-Stadt ist, sondern auch über viel Industrie verfügt.

Ein Tunnel, der ein Jahr mehr auf dem Puckel hat als ich. Es geht unter einem Kanal hindurch. Zum Glück gibt’s einen breiten Standstreifen
Ein riesiges Wasserkraftwerk, durch das ein Teil des Sankt Lorenz Stroms geleitet wird

Das erste Drittel der Strecke um Montreal herum war ätzend. Es gab kaum Radwege und die Straßen waren schlecht. Dazu kam jetzt wieder verstärkt LKW Verkehr. Man denkt immer nur: wann ist der Stress vorbei. Es muss ja irgendwann besser werden. Und es wurde besser. Als ich den Südrand der Stadt verlassen und die Ost-Umgehung in Angriff nahm, erreichte ich das vorbildlich ausgebaute Radwege-Netz. Jetzt gab es nichts mehr auszusetzen.

Die unterirdischen Verhältnisse am Vormittag…
…mittags ging es dann so weiter.
Es gibt wohl auch Radliebhaber bei den Stadtplanern.

Ich musste dann doch irgendwann auf die andere Seite des Stroms, ins Stadtgebiet. Selbst da konnte ich auf abgetrennten Radwege fahren. In Kanada werden, so ist mein Eindruck, keine halben Sachen gemacht.

Montreal selbst habe ich schon gemeinsam mit meiner Frau vor einer Woche erkundet. Ich bin froh, daß wir das so gemacht haben. Ich habe nichts verpasst und kann jetzt schnell die große Stadt hinter mir lassen. Zwischendurch groß es mal eine Stunde wie aus Kannen. Als richtig zu regnen anfing stand ich unter einer der vielen Hochstrassen.

Die imposante Pont Samuel-De Champlain im Profil..
….und von unten.
Die Skyline von der Ostseite kannte ich noch nicht.

FC

Ein architektonische Schwerverbrechen. Das wollte Jemand die Favelas in Rio imitieren.

Der Weg aus der Stadt heraus in meinem Zielort führte bestimmt zwanzig Kilometer an Hafenanlagen vorbei. Insgesamt bin ich dann etwa achtzig Kilometer durch Stadt- und Industriegebiet gefahren. So lang ist auch das Ruhrgebiet von Dortmund bis Duisburg. Das schlaucht mehr als eine Bergetappe. Man fährt immer mit höchster Konzentration. Ich denke, das war der letzte Ballungsraum, den ich auf meiner Tour überwinden mußte.

Mein Ziel, Repentigny, kann man noch als Vorstadt von Montreal gelten. Es ist nur durch einen Nebenarm des Sankt Lorenz Strom von Montreal getrennt. Alles wirkt aufgeräumter und entspannter. Mein Motel ist auch eine gelungene Wiedergutmachung für den Fehlgriff letzte Nacht.

Endlich wieder Landschaft
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16.08.2023 Melocheville. Tag 90 – 5213 Kilometer

Der letzte Tag in Ontario. Wenn ich das richtig überschlage, bin ich fast zweitausendfünfhundert Kilometer und sechs Wochen in dieser Provinz unterwegs gewesen. Das was jetzt noch kommt, geht schneller vorüber.

Die zurückliegende Nacht war eine ganz neue und besondere Erfahrung. Ich habe das erste Mal bei Gastgebern von „Warmshower“ übernachtet. Ein Abend mit Familienanschluss und eine komfortable Nacht liegt hinter mir. Tish und Terry sind bei Warmshower als Host angemeldet. Sie haben mir nicht nur ein Zimmer mit Bad für die Nacht zur Verfügung gestellt. Es gab auch noch ein Spaghetti-Abendessen und ein Frühstück: Oatmeal und Rühreier. Ganz nebenbei wurden auch meine Wäsche im Trockner getrocknet. Das alles kostenlos. Da für die nächsten Tage Regenwetter angesagt ist, werde ich versuchen, häufiger auf diese Option zurückzugreifen.

Abschiedsfoto

Terry ist begeisterter Radfahrer und gab mir für die Streckengestaltung einen wertvollen Tip. Dem kam ich gern nach und bekam die Kingsroad zu sehen. Die wird vom Fernverkehr nicht mehr benutzt, seit es den Highway gibt, war aber davor die wichtigste Straße von Toronto nach Montreal. Entsprechend ansprechend ist auch die Bebauung.

Die Kingsroad
Alle Häuser stehen frei und haben bestimmt eine Hektar Freilauf. Der Rasen ist immer bis zum Horizont gemäht
Mein Kanadisches Traumhaus

Nach der Hälfte der Strecke war es dann so weit: ich rolle auf französisch-sprachiges Gebiet. Quebec nimmt für sich eine Reihe von Sonderregelung in Anspruch. In meinen Augen, wirkt das nicht immer sympathisch. So ist z.B. in ganz Kanada die Beschilderung an den Straßen zweisprachig. In Quebec finde ich keine englischen Hinweistafeln. Mal sehen, vielleicht lösen sich meine Vorbehalte in Luft auf.

Grenzübertritt
Das erste Haus hinter der „Front“
….dann Vorstadtödnis

Mein Ziel für heute ist eine große Insel im Sankt Lorenz Strom. Sie liegt am südlichen Stadtrand vonontreal. Leider habe ich keinen Campground im nahen Umfeld von Montreal gefunden, der Zelte duldet. Meine Warmshower-Anfragen wurden alle negativ beantwortet. Also habe ich ein Motel gebucht. Die Lage ist einzigartig. Sonst ist das Motel die größte Bruchbude in der ich je für Geld übernachtet habe. Soviel Respektlosigkeit gegenüber seinen Gästen kann ich nicht nachvollziehen. Erst wenn keiner mehr kommt, wird abgerissen oder renoviert.

Mein Motel: Aussicht auf den Strom …
….Aussicht auf das Waschbecken. Andere bildliche Darstellungen erspare ich euch.

Übrigens war ich heute das erste Mal auf französisch einkaufen. Man hat mich verstanden oder bzw. schnell ins Englische gewechselt.

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15.08.2023 Cornwall. Tag 89 – 5133 Kilometer

Mein Standort heute Abend

Die letzte Nacht war eine gute Nacht. Mein Campingplatz ist Teil des gepflegten Stadtparks von Brockville. Es war fast gespenstig ruhig. Der einzige Mitcamper war ein Radler aus Montreal, auf dem Weg an die Niagara Falls. Ich konnte ungestört schlafen und das nachholen, was sich die letzten Nächte an Defizit angesammelt hat.

Blick am Morgen aus dem Zelt

Heute nehme ich die letzten Etappe in Ontario in Angriff. Es geht über hundert Kilometer nach Cornwall. Das ist der letzte große Ort vor der Provinz Quebec. Das ist mit 270 Höhenmetern eine der flachen Etappen. Es geht immer am Nordufer des Sankt Lorenz entlang. Leider hatte ich heute ordentlich Gegenwind. Die hundert Kilometer wurden also doch ganz schön zäh.

Die erste Hälfte der Strecke konnte ich malerische Ausblicke genießen. Die Straße führt direkt am Strom entlang. Später schlug dann die Industrialisierung durch. Unter anderem habe ich zwei Werke von Evonic (ein deutscher Konzern aus Essen) gesehen.

Romantischer geht es kaum
Das Dorf heißt tatsächlich Blue Church
Weniger malerische deutsche Spuren am Sankt Lorenz Strom: eine Evonic Niederlassung
die Battle of Crysler’s Farm. Hier haben die Briten und Kanadier 1812 die US-Truppen besiegt

Cornwall selbst kenne ich schon vom Trip mit meiner Frau. Wir haben hier auf dem Weg nach Montreal Station gemacht. Heute schlafe ich bei einem Host von Warmshower. Meine erste Erfahrung mit der dieser Community von Bikepacker für Bikepacker. Übernachtungen werden kostenlos angeboten.

Kurz vor Cornwall wird es wieder schön
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